Volkstanz-Musikant

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Vom Idealismus

Von der Bezahlung

Von den Instrumenten

Musikant zum Volkstanz

In dieser Online-Volksmusikschule habe ich viele Seiten über das Musizieren eingefügt. Dazu kommt aber immer wieder die Rückmeldung von Volkstanzleitern: "Und wo findet man so einen Musikanten bei uns im Ort?"

Viele Tanzgruppen haben das Problem, sie finden nicht einmal einen Akkordeonspieler, der für sie regelmäßig spielen würde.

Eine Gegenfrage zum Nachdenken: Liegt das vielleicht auch an der Behandlung der Musikanten durch manche Tanzleiter?

Im Internet habe ich eine Liste gefunden und frei übersetzt. Es liegt ja beim Volkstanz meist überhaupt nicht am Geld, an der Bezahlung. Trotzdem wäre es wert, über diese Liste nachzudenken:

Einen Musiker mieten?
Oder für ihre Veranstaltung anfragen?

Wofür glauben Sie, dass Sie bezahlen?
Für Jemand, der etwas Musik spielt?

Wofür bezahlen Sie wirklich?
Für Jemand, der etwas Musik spielt, plus:
Ausrüstung und Instrumente samt Instandhaltungsaufwand.
Stundenlange Probezeit.
Probenraum.
Transport zum und vom Veranstaltungsort.
Den Aufwand für Musikschule und Training, um ein guter Musiker zu werden.
Noten, Werbung und Website-Kosten.
Einkommen- und sonstige Steuern.
Telefonkosten und Zeit für die Organisation von Proben und Aufführung.
Manager, Agent oder andere Gebühren.
Versicherung, auch für Instrumente.

Außerdem:

Die Zahlung soll natürlich auch Essen, Wohnung und alle anderen Lebenshaltungskosten anteilig abdecken

Denken Sie immer noch, Ihr Angebot sei ein fairer Preis?
Sie erwarten doch auch nicht, einen Installateur, Maurer, Friseur, Arzt; Zahnarzt, Optiker, Elektriker, Mechaniker, Schneider oder Ladenbesitzer zu finden, der für Sie kostenlos oder ohne Gegenleistung arbeitet. Oder?

Vom Idealismus

Vorerst möchte ich den Ablauf eines vor Jahren tatsächlich stattgefundenen kleinen Tanzfestes schildern:

Die vier Musikanten kamen eineinhalb Stunden vor Beginn, wegen Stell- und Tonproben. Dann verlangte die Tanzgruppe eine Probe der Pauseneinlage. Dieses dauerte etwas zu lang, die Tänzer waren bereits zum Auftanz gestellt, das Fest begann - aber auch der Durst, besonders für den Klarinettisten. Die beiden Kellnerinnen hatten den Saal unter sich aufgeteilt, für die Musikanten auf der Bühne war keine zuständig. Nach energischem Auftreten des Geigers kam während der Tanzvorführungen in der ersten Pause das erste Getränk für die Musik - während die Tänzer speisten. Dann forderten diese wieder Tanz um Tanz, auch Draufgaben. In der zweiten Pause wurde gesungen, die Musikanten hätten essen dürfen - leider war alles ausverkauft. Sie bekamen dafür gratis ein zweites Getränk. Im Schlusskreis wurde der Musik für ihren Idealismus gedankt, mit tosendem Applaus. Es gab dann auch eine kleine Bezahlung, mit saurer Miene, da das Fest sowieso ein Defizit sei. Der Klarinettist spendete daher seinen Anteil für die Vereinskasse, lud seine drei Kollegen ins Auto und brachte jeden nach Hause. Selbst daheim angekommen, plünderte er endlich seinen Kühlschrank, nach neun Stunden harter Arbeit.

So viel ausgenützten Idealismus auf einmal gibt es heute wahrscheinlich nicht mehr, einiges davon aber doch immer wieder. Musizieren ist anstrengend; oft mehr als Tanzen; man bekommt nach wenigen Stunden Hunger und Durst (nicht nur Bläser), braucht auch einmal eine Pause. Tänzer können zwischendurch aussetzen, wann sie wollen. Musikanten sollen pausenlos spielen, immer voll da sein. Sie tun dies oft auch gerne, wenn es (nicht nur als Pflichtübung beim Schlusskreis) anerkannt wird.

"Instrumentalmusik setzt immer ein gewisses Maß an Professionalität voraus. Technisches Können am Instrument und die Verpflichtung, zu gegebenen Zeiten für die Gemeinde zu musizieren, sowie das Recht, sich von ihr bezahlen zu lassen, gehören zusammen (Felix HOERBURGER)" Der Volksmund sagt es deutlicher: "Ohne Geld ka Musi!" Tanzen kann jeder nach kurzer Lernphase, auch der Musikant (er sollte es zumindest können). Wer bestimmte Tänze (noch) nicht kann, darf zuschauen. Der Musíkant soll alles Gewünschte spielen.

Tanzleiter sind Idealisten. Ohne ihren selbstlosen Einsatz gäbe es wahrscheinlich keine Kurse, Gruppenabende, Tanzfeste und anderen Aktivitäten. Auch Musikanten sind heute Idealisten. Ein Instrument zu erlernen, dazu die vielen benötigten Melodien, das Zusammenspiel zu üben, und immer wieder für die Gruppe da zu sein, das verlangt mindestens ebensoviel Einsatz. Der Lohn dafür ist manchmal Bezahlung (nach dem Netto-Stundenlohn der billigsten Raumpflegerin), häufiger nur die Freude an der Sache. Diese Freude vergeht aber schnell, wenn man sich ausgenützt fühlt.

Von der Bezahlung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Der Musikant könnte sich als Handwerker fühlen. Er stellt mit seiner Hände Arbeit sowie mit seinen eigenen Geräten die zum Tanz nötige Musik her. Das bedeutet, er nimmt jedes Engagement an, spielt dort die von den Tänzern, vom Tanzleiter oder von der Tanzfolge gewünschten Tänze in vorgeschriebener Art und Reihenfolge; und er wird dafür bezahlt. Genauso wird der Schneider für die Lieferung eines Anzuges bezahlt, oder der Baumeister für die Lieferung eines Hauses. So eine Bezahlung ist nichts Schlechtes oder Anrüchiges, sie ist eine Selbstverständlichkeit. Das gilt auch dann, wenn der Musikant einen anderen Hauptberuf hat und nur nebenberuflich, in der Freizeit musiziert. Die Bezahlung kann nach Stunden erfolgen, im Pauschale für die ganze Veranstaltung, oder aus Naturalien. Nicht der Veranstalter bezahlt. Sondern (wenn auch auf Umwegen) der Tänzer.

Es gibt auch Musiker, die sich nicht als Handwerker fühlen, sondern als Künstler. Sie haben ein künstlerischen Konzept, erfüllen daher nicht jeden Wunsch, sondern halten sich mehr oder weniger strikt an ihr künstlerisches Gewissen. Sonst ändert sich am oben gesagten eigentlich nur die Höhe des Honorars - nach oben.

Es gibt aber auch Musikanten, denen eine Bezahlung nicht so wichtig ist. Sie musizieren aus Freude an der Sache, aus Sendungsbewusstsein, aus Geltungsdrang oder aus vielen anderen meist idealistischen Gründen. Manche betrachten Bezahlung fast als Beleidigung ihres Idealismus Die meisten nehmen, was ihnen angeboten wird, da sie ja auch Spesen haben. Sie sind aber mit einer Aufwandsentschädigung zufrieden, die der Hohe nach über einen reinen Spesenersatz kaum hinausgeht.

Das kann von Veranstaltung zu Veranstaltung verschieden sein. Vor dankbarem Publikum spielt man gerne ohne Bezahlung bis weit in die Nacht und möchte gar nicht aufhören. Bei anderen Gelegenheiten spielt man nur, wenn wenigstens die Kasse stimmt - oder man lehnt eine Mitwirkung von vornherein ab.

Jeder Musikant hat das Recht, eine Mitwirkung an einer bestimmten Veranstaltung auch ohne Angabe von Gründen zu verweigern. Er sollte dies aber rechtzeitig tun, damit dem Veranstalter noch Zeit bleibt, Ersatz zu suchen. Aber auch der Veranstalter sollte den Musikanten rechtzeitig informieren, was auf ihn zukommt.

Viele Tänzer merken sehr gut, ob die Musikanten mit Freude bei der Sache sind. Man tanzt viel lieber nach einer Musik, der man anhört, dass sie gern gespielt wird. Aber auch die Musikanten merken sehr schnell, ob ihre Musik von den Tänzern geschätzt wird. Aufgabe des Veranstalters oder des Tanzleiters ist daher auch, den Musikanten diese Freude an ihrer Tätigkeit zu erhalten.

Praktisch kein Volkstanzveranstalter will (oder kann?) sich eine gerecht bezahlte Musik leisten, samt Nachtarbeitszuschlägen, Instrumentenamortisation und Reparatur, Steuer und Krankenkasse, Probenzeitvergütung, Berufskleidung (Tracht), Fahrgeld, Noten und sonstigen Spesen. Alle greifen daher auf Idealisten zurück. Wenn man aber will, dass ein Musikant aus Idealismus nur gegen geringen Spesenersatz oder sogar gratis spielt, dann darf man ihn nicht als dienstverpflichteten Leibeigenen behandeln, sondern als Gruppenmitglied mit den gleichen Rechten (und Pflichten) wie jedes andere.

Spesenvergütung steht ihm trotzdem zu, da er ja nachweisbar höhere Aufwendungen hat als ein Tänzer.

Von den Instrumenten

Die verbreitetsten Musikinstrumente sind CD, Plattenspieler, Kassettenrekorder und ähnliches. Jeder besitzt sie, kann sie bedienen; es gibt kaum falsche Töne; bei vielen Geräten ist sogar die Geschwindigkeit regelbar. Diese Musikkonserven sind billiger als so manches Akkordeon, verlangen weder Spesenersatz noch Getränke - und vor allem: Sie blockieren keinen Musikanten, der auch als Tänzer gebraucht würde.
Schöner und beliebter ist lebende Musik.

Knopfharmonika oder Maurerklavíer stellen häufig die einzige Musik für Volkstanzgruppen. Das ist fast wie CD: bequem regelbar, an- und abschaltbar, pflegeleicht - und vor allem: Ein Spielmann genügt für eine vollklingende Tanzmusik.

Schöner ist immer eine kleine Spie1musik.

Für zwei Melodiestimmen, Bass und Nachschlag sind drei oder vier Grundinstrumente nötig. Wem das zuwenig ist, der hat noch viele Möglichkeiten: dritte Stimme, diverse Neben-, Gegen- und Überstimmen, Piccolo, Tenor oder Bariton, verschiedene Klangfarben durch verschieden klingende Instrumente.

Schöner ist oft ein einfacher, durchsichtiger Satz.

Gleichartige Instrumente erzielen einen reinen Klang. Das kann ein klassisches Streichquartett sein mit zwei Geigen, Bratsche und Cello. Das könnte eine Bläserbesetzung sein mit zwei Oboen und Fagott, eine reine Blechbesetzung (Flügelhörner klingen weicher als Trompeten), oder reiner Blockflötensatz.

Schöner und interessanter klingt häufig der gemischte Satz verschieden klingender Instrumente.

Zur Tanzmusik wurden immer jene Instrumente verwendet, die eben da waren, in verschiedensten Zusammenstellungen. Das gilt mit wenigen Ausnahmen auch heute. Alle elektronischen oder dauernd elektrisch verstärkten Musikinstrumente gehören aber nicht zur Volksmusik. Sie sind abzulehnen. Manche anderen Instrumente passen nicht zueinander, im Zweifelsfall muss man ausprobieren.

Wenn man die Möglichkeit hat, kann man natürlich auswählen, auf bodenständige und überlieferte Besetzungen zurückgreifen. Im Westen könnte das eine Tanzlmusi sein mit Blasbesetzung, 'Steirischer' und zusätzlich Hackbrett und Harfe. Im Osten ist verbreiteter die Besetzung der Steirischen Tanzgeiger mit zwei Geigen, Bratsche, Harmonika und Bass. Es könnte eine der vielen Altsteirerbesetzungen sein, etwa Harmonika, Hackbrett und Bassgeige; oder Klarinette, Harmonika und Posaune. Und noch viele andere Variationen sind überliefert.

Mancher wird sich jetzt sagen: "Alles gut und schön, aber ich muss trotzdem mit dem Tonband arbeiten, da ich keinen Musikanten finde."

Anfragen könnte er bei der Musikschule, könnte im Salonorchester, bei der Blasmusik Musikanten suchen.

Aber Volkstänzer sind doch angeblich musikalische Leute. Vielleicht findet sich einer, der Klavier spielt, oder Orgel, oder sonst ein für Tanzmusik nicht so brauchbares Instrument. Etwas Interesse vorausgesetzt, beherrscht ein halbwegs geschickter Musiker in kürzester Zeit sein (eventuell von der Gruppe beigestelltes) Akkordeon. So habe auch ich vor vielen Jahrzehnten begonnen. Wer aus den eigenen Mitgliedern aufgebaut wird, hat oft größeres Interesse, bleibt daher länger dabei.

Dieses notwendige Interesse schwindet aber häufig sofort, wenn so ein Spieler nur mehr musizieren soll und nicht mehr tanzen darf. Daher sollte jede Gruppe danach trachten, möglichst mehrere Musikanten zur Verfügung zu haben. (Es gibt ja auch Krankheits- und sonstige Ausfälle.) Einige Tänze spielt jeder der angehenden Musikanten begeistert, dann wird er abgelöst und kann wieder tanzen. Manchmal ist es leichter, mehrere Musikanten für je nur einige Stücke zu bekommen als einen Mann, der alles spielen soll.

Toleranz gegenüber den (noch) nicht ganz so guten Spielern müssen die Tänzer natürlich im Aufbaustadium aufbringen.

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